Wer die Nachrichten in den letzten Wochen verfolgt hat wird auch den Namen Cambridge Analytica in Verbindung mit Facebook gehört haben. Cambridge Analytica hat Schlagzeilen gemacht, weil bekannt wurde, dass das Unternehmen ethisch fragwürdige Praktiken mit den privaten Daten von zig Millionen Facebook- Nutzern durchgeführt hat. In diesem Post möchte ich erklären was Cambridge Analytica genau gemacht hat, welche Rolle Facebook dabei gespielt hat und warum deshalb auch "Otto-Normal" Personen besorgt sein sollten.

Der Tatbestand

Jeder sollte mittlerweile wissen, dass Facebook massiv Daten im großen Stil sammelt und diese mit großen Freuden weiterverkauft. Eines der Unternehmen, welches gegen Einwurf von Münzen Daten von Facebook bezogen hat ist/war Cambridge Analytica. Genauer gesagt hat Cambridge Analytica Facebook dafür gezahlt einer bestimmten Menge an Benutzern eine kleine Umfrage anzuzeigen. Dadurch erhielt das Unternehmen Zugriff auf folgende persönliche Daten der Benutzer, welche die Umfrage zu sehen bekommen haben:

  • Eine Liste aller Freunde
  • Alle Likes der Person
  • Postings der Person
  • Private Nachrichten der Person mit anderen Nutzern
  • Likes und Postings über Personen der Freundesliste, also auch persönliche Informationen "unschuldiger" Nutzer.

Insgesamt hat Cambridge Analytica damit Zugriff auf persönliche Daten von 50 Millionen Nutzern erhalten. Doch wozu genau wurden diese Daten gesammelt, verarbeitet und analysiert? Das ultimative Ziel war das Beeinflussen der Wähler während der US-Präsidentschaftswahl 2016 um Donald Trump und seiner Partei zum Wahlsieg zu verhelfen. Die gesammelten Daten wurden verwendet um psychologische Persönlichkeitsprofile der Wähler zu erstellen. Das Ziel dieser Profile war "das Erstellen von Modellen um auszunutzen was wir über sie [Anm: die Personen] wissen und deren innere Dämonen anzusprechen" ([1]; frei übersetzt), so der Whistleblower Christopher Wylie, welcher die Geschichte ans Tageslicht gebracht hat. Es wurden also die tiefsten (und unterbewussten) Ängste und Besorgnisse der betroffenen Personen herausgefunden. Anschließend wurden Werbebotschaften, Wahlkampfreden und dergleichen darauf ausgerichtet möglichst viele Betroffene direkt anzusprechen. Da Facebook, und auch andere Plattformen, zielgerichtete Werbung ermöglichen (Also Werbung die nur eine kleine und genau definierte Personengruppe zu sehen bekommt) konnten so Werbungen geschalten werden die einzelne Personen(gruppen) und deren Ängste speziell angesprochen haben.

Ob diese fragwürdige Praxis ethisch vertretbar ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich persönlich finde ein derartiges Verhalten einfach nur abscheulich. Ob es sich dabei um einen Einzelfall handelt lässt sich nicht sagen. Das ist jedenfalls der (bislang) einzige bekannte Fall einer derartigen Praxis. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass auch andere Organisationen derartige, ethisch fragwürdige, Methoden einsetzen. Dabei muss das Ziel nicht immer politisch motiviert sein. Andere interessante Informationen wären zum Beispiel die Kreditwürdigkeit einer Person oder etwa wie vertrauenswürdig diese ist. Derartige Methoden sind das Werkzeug um beispielsweise bestimmen zu können wie hoch deine Kreditrate ist oder ob dich ein zukünftiger Arbeitgeber einstellt oder nicht.

Schutzmaßnahmen

Es gibt nur einen einzigen wirksamen Schutz um nicht selbst Opfer eines derartigen Profilings zu werden und auch nicht für politisch motivierte Propaganda oder andere ethisch und moralisch verwerfliche Ziele missbraucht zu werden oder diese zu unterstützen: Man darf schlichtweg keine Facebook-Dienste mehr verwenden. Das inkludiert ALLE Facebook-Dienste (nicht nur Facebook selbst), allen voran:

  • WhatsApp
  • Instagram
  • Snapchat
  • Oculus VR

Wer einen oder mehrere dieser Dienste verwendet muss sich bewusst sein, dass wildfremde Personen die Möglichkeit haben

  • deine tiefsten Ängste, Wünsche und Bedürfnisse zu kennen
  • das Wissen über dich nutzen können um dich unbewusst manipulieren zu können
  • das Wissen über dich dazu verwenden können ihre eigenen Interessen zu verfolgen auch wenn das gegen deine Moralvorstellung gehen würde.

Wenn dich das also besorgt, solltest du deinen Account einfach löschen. Derartige Plattformen nicht zu verwenden ist der einzige Weg, um sich gegen solche Praktiken zu schützen. Wenn dich das ganze allerdings kalt lässt (und wir uns persönlich kennen), lass mich es bitte wissen. Ich möchte wissen wem ich niemals persönliche Dinge anvertrauen kann und wer gewillt ist Informationen über mich an wildfremde Personen weiterzugeben nur um selbst Vorteile daraus zu haben.

Wer diese Stasi-Dienste weiterhin nutzt "weil er/sie nichts zu verbergen hat", sollte sich bewusst machen, dass es längst nicht mehr darum geht zu wissen was du getan oder nicht getan hast. Das Ziel all dieser Organisationen ist es Kontrolle über dich und deine Informationsaufnahme zu gewinnen.

Quellen

[1] The Guardian: Cambridge Analytica may be guilty of hype. But data mining poisons our politics (englisch)